Südamerika in sechs Monaten – Ein Backpacking Sabbatical

Neunkirchen, 06.08.17

Sechs Monate frei, die Welt zu Füßen und voller Pläne: Das war in gewisser Weise das Grundgerüst von Timo Bruns, als er seine Reise nach Nord- und Südamerika begann. Nicht alles lief wie geplant, nicht alles konnte er sehen, aber nach einer solchen Reise ist dennoch alles anders.

Timo: Der Plan war hauptsächlich Mittel- und Südamerika zu bereisen. Letztendlich sind es dann Panama, Costa Rica, Mexiko, USA, Kuba, Peru, Bolivien, Kolumbien und Brasilien geworden. Doch es sollte kein reiner Erholungsurlaub werden. Ziel war es, durch die Mitarbeit in sozialen Projekten einen Zugang zur Bevölkerung und somit Einblicke in das Leben zu gewinnen.

rv.com: Warum bist du alleine gereist?

Timo: Ich wollte die Reise nicht unbedingt alleine machen, aber es hat sich keiner gefunden, der so lange Zeit hatte. Man muss dazu sagen, ich reise auch recht speziell. Ich gehe gern in die kleinen Orte, genieße die Natur und mag die Touristenorte nicht so gerne. Auch die Arbeit in sozialen Projekten muss man mögen. In Trujillo habe ich bei einem sozialen Projekt fünf Wochen gearbeitet – eine lange Zeit. Aber nur so kommt man in einem Land an und lernt die Bevölkerung kennen. Das ist dann schwierig, jemanden zu finden, der das genauso mitmacht.

Das Alleinreisen war aber kein Problem. Die Rückkehr war schon schwieriger, weil ich die gesammelten Eindrücke mit niemanden so richtig teilen kann.

 

rv.com: Sechs Monate sind nicht viel für diese Länder. Hast du denn viele Orte besuchen können?

Timo: Auf jeden Fall. Ich habe so viele Erinnerungen: Bocas del Toro in Panama, aber nicht die Hauptinsel, sondern die übrigen drumherum. Hier wurde mir schnell klar, warum Kolumbus (1502, auf der Suche nach einer Route nach Asien; Anm. d. R.) so von der Schönheit der Inseln beeindruckt war. Oder der Nationalpark Corcovado in Costa Rica, der leider etwas schwierig von der Hauptstadt zu erreichen ist. Dafür trifft man vor Ort auf sehr wenig Touristen und umso mehr Tiere. Hier gibt es Dschungel pur und außerdem außergewöhnlich gute Tourguides. Ihrem Versprechen kann man ruhig Glauben schenken: "Du kannst hier alles sehen, was du willst. Sag mir nur was."

Aber auch die bekannteren Sehenswürdigkeiten haben mich auf meiner Reise beeindruckt: Wie die abwechslungsreiche und lebendige Stadt Cusco in Peru, die Inkaruinen von Machu Picchu oder auch der Titicacasee.

Ein absolutes Highlight war für mich die Salzwüste Salar de Uyuni in Bolivien. Fast zwei Stunden sind wir mit dem Auto zu den Lagunen gefahren. Dort gibt es eine spezielle Algenform, durch die der See – je nach Sonneneinstrahlung seine Farbe ändert. Mitten in der schneeweißen Salzwüste liegen dann grüne, gelbe, rote oder schwarze Lagunen vor einem. Das wirkt schon sehr surreal. Die wirklich atemberaubenden Reflektionen aufgrund der Mischung aus kristallklarem Wasser und Salz tun ihr Übriges.

Dennoch bleibt für mich die Erkenntnis: Ich kann an den schönsten Orten sein, aber die Schönheit hängt von den Leuten ab, die gemeinsam mit mir dort sind. Ich kann auch an einem ganz normalen Ort sein, aber die Menschen machen ihn zu was ganz Besonderem. Es ist erstaunlich, dass mir oft fremde Leute nach wenigen Stunden so vorkommen, als wenn sie schon lange meine besten Freunde wären.

rv.com: Kamst du, als reicher Tourist aus dem Westen, überhaupt mit den Einheimischen in intensiven Kontakt oder waren es mehr andere Backpacker?

Timo: Natürlich hab ich gerade in den Hostels und den sozialen Projekten immer wieder andere Freiwillige getroffen, die mir auch wichtige Tipps geben konnten. Und ja, sobald die Einheimischen merken, dass man Tourist ist, ist das Interesse schnell nur noch auf das Geld reduziert. Bei den Projekten wird man aber sehr herzlich empfangen. Die Kultur ist eine ganz andere. Die Menschen sind von sich aus sehr offen. Durch meine Fremdartigkeit in dem Land bin ich dann oft sehr schnell ins Gespräch gekommen – jedenfalls in den Großstädten. In kleinen Städten ist es schon etwas distanzierter.

rv.com: Du warst dann also schon sehr auf dich selbst angewiesen?

Timo: Manchmal schon. An vielen Tage hatte ich keine Infos, wie ich von einem Ort zum nächsten komme. Wenn ich jemanden fragte, hieß es, da kommt ein Bus, der fährt in die eine Stadt und dann kommt da der nächste Bus, der fährt dann weiter. So war ich beispielsweise mehrere Stunden in Costa Rica in einem Fischerörtchen, wo ein einziger Bus am Tag fährt. In einem Zeitfenster von zwei Stunden. Ein Einheimischer begleitete mich dann auf einem zwanzigminütigen Spaziergang in eine Ecke des Dorfes und ich fragte mich: Dort soll ein Bus fahren? Aber es stimmte, der Bus kam!

rv.com: Du fühltest Dich also auch in solchen Entwicklungsländern sicher?

Timo: Na, von einem Entwicklungsland würde ich da gefühlt gar nicht immer sprechen. In Kolumbien war ich von der Infrastruktur sehr überrascht. Es ist zwar eines der günstigsten Länder, aber sehr gut ausgebaut. Eigentlich ist es fast wie zwei Länder in einem. Ich kam über den Dschungel von Peru aus über den Amazonas nach Leticia. Hier hat mich eine fast europäische Stadt empfangen.

Auch bei den Bussen sollte ich mich auf eine Überraschung gefasst machen. Für 20 Euro konnte ich hier 13 Stunden und länger durchs Land fahren – inklusive WLAN, Fernseher mit Filmen, Verpflegung und On-Board-Bedienung. Das wäre auch für europäische Verhältnisse Luxus.

Unerwartet gut ist auch der Handyempfang im Land. Mit regionalen Prepaidkarten hatte ich 10 GB Datenvolumen und konnte dann per App sehr gut navigieren. Die Netzabdeckung war wirklich überraschend gut. Ich würde sogar sagen, besser als in Deutschland.

rv.com: Warst du denn mal auf das Gesundheitssystem angewiesen?

Timo: In Cusco bin ich nach einem Dschungel-Trail vom Machu Picchu zurückgekommen und hatte starken Husten. Den habe ich dann leider zu lange nicht behandelt und mir eine Bronchitis eingefangen. Der nächste Weg ging dann direkt zum Arzt in Cusco. Im Hostel habe ich mir eine Empfehlung geben lassen. In Cusco gibt es viele Touristen und die Ärzte sind darauf eingestellt. Mein Arzt sprach zudem Englisch und eine Übersetzungs-App hat zusätzlich geholfen.

Grundsätzlich ist die Versorgung in Peru zwar gut, aber man bezahlt für jeden einzelnen Schritt in bar. Das erste Mal, dass man den Arzt sehen kann, dann für das Röntgenbild, dann in der nächsten Abteilung nochmal. Da ist es gut, sich vorab zu informieren und genug Bargeld mitzunehmen.

Wer nicht unbedingt zum Arzt muss, bekommt vieles in der Apotheke auch ohne Rezept – jedoch nur in der Stadt. In Bolivien wäre eine Krankheit nicht so gut gewesen, da ist die medizinische Versorgung schwieriger.

rv.com: Für die Zeiten zwischen den Großstädten braucht es also einen gut ausgestatten Rucksack. Was hattest du immer bei dir?

Timo: Meine persönliche kleine Must-Have-Liste: Super wichtig ist das Handy. Damit hat man eigentlich einen Helfer in allen Situationen. Dazu einen Akkublock mit ordentlicher Leistung. Natürlich die Reiseapotheke und ein gutes Messer – man glaubt gar nicht, wie oft man das braucht. Sehr geholfen hat mir auch ein Microfaser-Handtuch, das schnell wieder trocknet. Bei den klimatischen Verhältnissen ist das wirklich nützlich.

rv.com: Gute Tipps. Was würdest du Menschen, die eine solche Reise planen, noch raten?

Timo: Das geht eigentlich eher an die, die eine solche Reise vor sich her schieben. Man denkt ja immer, wenn ich dann mal in Rente bin, dann reise ich. So wie ich die Reise gemacht habe, ist es aber für die meisten im Alter zu anstrengend. Ich kann es mir nicht vorstellen, diese Strapazen dann nochmal zu meistern. Ich glaube, das ist eine Illusion. Daher: Geht raus, wagt es und reist lieber heute als morgen!

rv.com: Das heißt, du willst auch bald wieder los?

Timo: Meine Ziele sind jedenfalls nicht weniger geworden – eher mehr. Island, Indien, Japan, Südafrika, Ecuador... Aber auch in Brasilien habe ich nicht so viel gesehen. Die Liste ist eigentlich unendlich. Reisen bedeutet für mich Freiheit. Jeden Tag woanders aufzuwachen - an den wunderschönsten Orten.

Deutschland ist ein Luxusland; das wird einem auf solchen Reisen immer wieder bewusst. Alltägliche Dinge, wie fließendes Wasser, lernt man danach wieder ganz anders zu schätzen. Dafür ist hier alles durchgetaktet. Beim Reisen kann ich einfach alles so machen, wie ich es möchte, ganz ohne Zeitdruck.

Daher: Mal schauen, wo die Zukunft hingeht

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