Besondere Reisen – Auch im Alter?

Neunkirchen, 06.11.17

Wer jung ist, will was erleben, was verändern, mitgestalten: ob auf Abenteuerreisen oder als freiwilliger Helfer in Aidworker-Projekten. Mit zunehmendem Alter verändern sich solche Ziele oft. Malte Retiet (82) berichtet, was für ihn in jungen Jahren wichtig war und was er auch im Alter noch alles unternimmt.

Der typische Strandurlaub ist schön, aber bei weitem nicht alles. Vor allem in jungen Jahren wollte Malte Retiet etwas erleben: „Ich wollte in die abgelegenen Ecken dieser Welt. Es muss zwar nicht immer das Besondere sein, wo noch kein anderer Mensch war. Außergewöhnliche Orte und Menschen zu sehen, hat aber schon einen speziellen Reiz. Einmal führte uns ein Guide in die wirklich unverfälschte Südsee – die Trobriand-Islands, eine Inselkette vor der Ostküste Papua Neuguineas. Dort leben die Einheimischen nahezu ohne Kontakt zur Außenwelt. Solche Reisen hatten schon immer etwas Faszinierendes für mich.“

Gesundheit ist entscheidender als Alter

Beim Reisen kommt es vielmehr auf die Art einer Reise, auf das Reiseland und auf die körperliche Fitness an, weniger auf das Alter an sich. Malte Retiet hat sein Leben lang Sport gemacht und war deshalb gut austrainiert. Auch heute ist sein Gesundheitszustand so, dass er viele Reisen noch machen könnte. Wichtig ist, dass man vor allem auf Reisen selbst gut auf sich achtet: Nur abgepacktes Wasser trinken, keine Eiswürfel, kein Speiseeis, Salate meiden, nur geschältes Obst essen. Bei einer Tour in den Regenwald Venezuelas war auch eine 72-Jährige dabei. Man musste sich durch Schlingpflanzen den Weg freischlagen, was dieser Frau problemlos gelang. Alter ist also immer sehr individuell zu betrachten.

Unvorsichtigkeit unabhängig vom Alter

Zu gefährliche Situationen kommt es meist nicht aufgrund des höheren Alters, sondern aufgrund von Unvorsichtigkeit oder äußeren Einflüssen. Malte Retiet wurde auf Reisen das Ziel von Kriminellen als er selbst leichtsinnig war. In Lima trug er einmal eine unechte, goldene Uhr am Handgelenk, die ihm in der Menschenmenge sehr raffiniert gestohlen wurde. Ein anderes Mal trug er am Busbahnhof von Marokko sein Portemonnaie wie immer in der vorderen Hosentasche als er in der Schlange am Ticketschalter stand und plötzlich dort eine fremde Hand spürte. Er konnte den Diebstahl gerade noch verhindern. Seiner Meinung nach sind ältere Menschen auf Reisen nicht stärker gefährdet – entscheidend ist, dass man sein Auftreten anpasst.

Freiwilligenarbeit in jedem Alter

Malte Retiet reiste immer gern in gemischten Gruppen aus allen Altersklassen. Das war nie ein Problem. Zum Beispiel können die Herausforderungen sozialer Projekte im Ausland auch im Alter gut bewältigt werden. Er war sechs Wochen als freiwilliger Helfer auf einer Leguanzuchtstation in Honduras. Etwas, das er schon immer einmal machen wollte. Zunächst war er skeptisch, ob die Organisation so einen „alten Herren“ überhaupt akzeptieren würde. Die übrigen Freiwilligen waren oftmals Studenten oder Zoologen – alle deutlich jünger und Experten auf ihrem Gebiet. Doch schließlich stellte sich heraus, dass die Arbeit vor Ort für ihn kein Problem waren: Das Füttern der Leguane, Essen, also Hibiscusbüten und Bananen vorbereiten sowie die Reinigung der Gehege, in die Mangroven gehen und Krebse fangen, wurde so eine einmalige Erfahrung für ihn.

Diese Erfahrungen und die soziale Arbeit lagen Malte Retiet am Herzen. Einmal verbrachte er fünf Wochen in Chiloé, Chile, in einer Pinguinstation, um dort die Magellan-Pinguine zu schützen. Die Welt zu bewahren und einen Weg hin zum sanften Tourismus zu gehen, war ihm ein großes Anliegen bei vielen seiner Reisen.

Mit dem Alter kommen andere Ziele

Kann man wirklich jede Reise in jedem Alter machen? Irgendwann hat das Alter dann doch Einfluss auf das Reiseverhalten. Mit Anfang 70 fing Malte Retiet an sich zu fragen, ob er noch Lust auf die „Hängematte im Regenwald“ hat. Hinzu kommen die langen und anstrengenden Flüge. Oft weiß man dann doch ein weiches Hotelbett mehr zu schätzen. Und auch bestimmte Länder wollte er dann nicht mehr besuchen. Zum Beispiel Schwarzafrika: Zwar war es eine der Reisen, die ihn am meisten beeindruckte. Er liebte seine Zeit in Mali. Aber noch einmal würde er die Strapazen nicht mehr auf sich nehmen. „Ich würde auch nicht mehr mit dem Rad nach Schweden fahren oder nach Venezuela fliegen. In den letzten acht Jahren kamen dann auch gesundheitliche Probleme dazu. Wenn die Zeichen des Alters kommen, überlegt man sich gut, ob man eine große Reise ins Ausland machen soll. Als ich in Chile bei den Pinguinen war, traf ich zwei Mädchen, die mit den öffentlichen Bussen durch Südamerika fahren wollten. Das wäre heute auch nichts mehr für mich.“

Malte Retiet ist froh, dass er diese anstrengenden Reisen frühzeitig gemacht hat. Er bestärkt auch sein Enkel darin, nicht auf die Zukunft zu setzen, sondern jetzt die Welt zu entdecken. Manchmal gehört eine gute Portion Egoismus dazu, um den oftmals vorgegebenen Lebensweg zu ändern. „Aber „das Alter kommt, dagegen kann man nichts machen. Man hat mit zunehmendem Alter keine Lust mehr, Pionierarbeit zu leisten und alles auf eigene Faust auszuprobieren. Ich hab meine Jugendträume glücklicherweise verwirklichen können. Jetzt sind schon lange Flüge – also alles was länger als 4 Stunden dauert – nicht mehr schön.“

Besondere Angebote für ältere Reisende

Doch ganz aufs Reisen verzichten? Das möchte er nicht. Seit Malte Retiet 65 ist, reist er lieber in einer organisierten Gruppe. Das ist angenehmer und man lernt viele Menschen kennen, die bereits in anderen Ecken der Welt waren und von ihren Erfahrungen berichten. Professionelle Anbieter für Gruppenreisen, wie beispielsweise Studiosus Reisen, haben auch außergewöhnliche Reiseziele im Programm. Das hat nichts mit einer typischen Seniorenreise zu tun. Obwohl ihn auch so etwas nicht abschrecken würde: „Eine Busreise durch Andalusien? Warum nicht. Auch das reizt mich. Alles hat seine Zeit und es ist gut, dass es solche Angebote gibt.“

Entscheidend sind immer das Land und das Reiseprogramm. Enttäuscht wurde er bisher nie. Wenn es in einem Land nicht immer nur weltbekannten Sehenswürdigkeiten gibt, dann ist das nun einmal so. Er war immer neugierig auf die Landschaften und das normale Leben vor Ort – das ist überall anders und etwas Besonderes.

Ruhestand im Ausland

Auch wenn Malte Retiet in sehr vielen Ländern unterwegs war, dass er die Länder wirklich kennt, würde er nie behaupten. Er habe, wie er selbst sagt, nur daran genippt. Um ein Land zu kennen, müsse man dort eine Zeit lang leben. Auswandern im Alter, wenn es im Ausland doch so schön ist? Nein, auf diese Idee wäre er nie gekommen. „Es gibt ja viele Rentner, die ins Ausland gehen. Florida, Thailand, Kambodscha, Spanien, Laos, Vietnam. Tolle Länder. Ich hab mir das auch mal überlegt, aber mir ist mein Weg lieber: Ich verschaffe mir einen Überblick über die Welt, aber komme immer wieder zurück. Im Urlaub ist es wunderbar, jeden Tag die Sonne zu genießen. Aber was ist, wenn das zum Alltag wird? Ich kann mich zwar sehr gut allein beschäftigen, aber das würde mich auf Dauer nicht ausfüllen. Mir würde im Ausland einfach zu viel fehlen: Ich habe in Deutschland meine Basis, meine Familie, die Freunde, aber auch die deutsche Kultur.“

Reisen im Alter: Auf jeden Fall

Reisen haben in jedem Alter einen ganz eigenen Reiz. Keine Frage, ob man auch im Alter reisen kann: Natürlich kann man das. Und man sollte es auch. Auch „normale“ Reise-Attraktionen wie der Grand Canyon, sind tolle Erlebnisse, bei denen ihm fast die Luft weggeblieben ist. Ein Naturphänomen, das man so sich kaum vorstellen kann.

Malte Retiet wollte nicht von dieser Welt gehen, ohne sie gesehen zu haben. Abzutreten, ohne zu wissen, wo er gelebt hat. Da würde ihm das Herz bluten, wie selbst sagt. Und auch jetzt, mit Anfang 80, kann er nur allen Menschen nur raten, egal wie alt sie auch sind: Unternehmt etwas und nutzt eure Möglichkeiten. Man sollte alles ausprobieren und sich danach seine eigene Meinung bilden.

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