Flower-Power auf La Gomera

Foto: Martin Pulaski/flickr


Neunkirchen,

Dieser Winter in Deutschland war besonders hart. Dass der Großteil der Deutschen so lange im trüben und kalten Alltag verharrt, ist manchen unbegreiflich: Sie ziehen in der kalten Winterzeit wie die Zugvögel in das warme Klima der kanarischen Inseln. Speziell Aussteiger und schräge Vögel haben hier seit langem ein Lieblingsziel. Wir machen uns auf die Suche nach den letzten Hippies auf La Gomera.


Zurück zum Ursprung


Schon seit den 70er-Jahren ist La Gomera bei Hippies und Aussteigern beliebt. So pilgerten die Blumenkinder auf die Insel, um in ursprünglicher Atmosphäre zu leben. Einige sollen bis heute in Steinhöhlen bei Santiago nächtigen und bis zu einer Stunde laufen, um mühsam Nahrungsmittel und Wasser zu holen. Gerade die Einfachheit und Ursprünglichkeit macht La Gomera für viele Freunde der Insel so attraktiv.


Die weitgehend unberührte Landschaft ist auch heute noch teilweise recht gefährlich zu begehen: die Vulkaninsel beherbergt hohe Berge, von Kleinbauern bewirtschaftete Terrassentäler, sehr unterschiedliche Flora und Fauna mit verwunschenen Lorbeerwäldern und exotischen Bananenplantagen. Die Insel ist durch reißende Flüsse stark zerklüftet. Auf La Gomera begegnen die Touristen tiefen Schluchten und auch wasserarmen Steinwüsten. Das Valle Gran Rey ist das Herzstück der Insel. Als fruchtbarstes Tal ist es am meisten bevölkert und bereist.


Nach unserer Ankunft werden wir nicht gleich mit bunten Campingbussen und Peace-Abzeichen empfangen. Doch wir bemerken schnell, dass hier vorrangig Individualisten unterwegs sind: Menschen, die eine Alternative zu Bettenburgen und Ferienclubs suchen, die ein einfaches Appartement und langsamere Sportarten – wie Wandern – als Freizeitbeschäftigung bevorzugen.


Bereits die Anreise auf die Hippie- und Wanderinsel ist relativ beschwerlich. Da es keinen Flughafen auf La Gomera gibt, sind Touristen auf die Fähre von Teneriffa angewiesen, die lediglich drei- bis viermal am Tag übersetzt. Wer im Valle Gran Rey wohnt, muss noch eineinhalb Stunden mit einem Taxi oder dem Bus fahren – eine Einschränkung, die man gerne in Kauf nimmt, schließlich lässt sich auf der Strecke bereits die wilde und vielfältige Vegetation der Vulkaninsel bestaunen.


Im Tal angekommen erkennen wir gleich: wenn wir auf unserer Suche nach den letzten Blumenkindern fündig werden wollen, sind wir am richtigen Ort. Hier erleben die Sonnenhungrigen den sanften Tourismus aufs angenehmste. In der Mitte des Valle steht die Bar Casa Maria unweit vom Beach. Sie bietet zwar keine ursprüngliche lokale Küche mehr an, ist aber allabendlich ein beliebter Treffpunkt. Ein typisch gomerisches Mahl wäre beispielsweise frischer Fisch mit papas arrugadas, den für La Gomera typischen Schrumpelkartoffeln. Sie werden gewöhnlich in Schale mit Meersalz serviert. Dazu steht immer grünes und rotes Mojo auf dem Tisch. Die Getränke nimmt man bei Sonnenuntergang mit auf das Mäuerchen, um zu beobachten, wie der glühwarme Sonnenball unter spektakulärem Farbspiel im Meer versinkt.

Und jetzt treffen wir auch jene, für die wir eigentlich herkamen: das atemberaubende Schauspiel lassen sich auch die schrägen Vögel nicht entgehen, die sich jetzt versammeln. Die Hippies singen und trommeln, Feuerkünstler jonglieren mit brennenden Fackeln, schlucken Flammen und speien glühende Fontänen, bevor sie ihren Hut herumgehen lassen. Kurz darauf folgt das Kontrastprogramm: Einheimische spielen ihre Folklore in der Bar, was bei den Touristen mindestens genauso gut ankommt wie die Darbietungen der Lebenskünstler draußen vor der Tür.


Wer sind die Aussteiger?


In Gesprächen mit den Aussteigern und Strandbewohnern wollen wir herausfinden, wie so ein Auswandererleben aussieht. Nicht nur die klassischen Hippies halten sich auf der Insel länger auf, sondern auch ein Immobilienmakler, der einfach mal Lust auf ein Strandleben hat. Auf einem Hügel an der Playa del Inglés hat er sich seine "Wohnung" eingerichtet. Um nicht alles an Erspartem auszugeben, passt er sich seinen Aussteiger-Kollegen an: mit einer Lupe brennt er die Namen von Touristen auf eine Schote des sogenannten Pfefferbaumes und verkauft diese als Souvenir. Nebenher arbeitet er in seinem alten Job und hilft Leuten vor Ort mit Immobilienberatungen aus. Ein anderer Aussteiger auf Zeit verdingt sich als heilender Masseur am Strand und gräbt die Touristen bis zum Kopf in den schwarzen, magischen Vulkansand ein. Man zahlt dafür soviel, wie einem das Erlebnis wert ist. Der Masseur aus Leipzig weilt nur im Winter auf La Gomera, im Sommer kehrt er nach Deutschland zurück und lebt in seinem Tipi-Zelt am Waldrand in Leipzig. Sein Kumpel verkauft frisch gekochten Kaffee und selbst gebackene Crêpes am Strand. Es braucht nicht viel, um auf der Insel zu überleben. Das Essen ist gut und günstig, und wer einfallsreich ist, kommt an das wenige Geld, das nötig ist. Die nackt badenden Touristen freuen sich über die günstigen Angebote und so haben am Ende alle etwas davon.


Deutsche Community auf La Gomera


Auf La Gomera sind hauptsächlich deutsche Touristen und Aussteiger zu finden. Im Valle Gran Rey lebt eine deutsche Community, die dort Familien gegründet hat und arbeitet. Viele Souvenir- und Schmuckläden sowie Internetcafes sind in deutscher Hand. Die Restaurants sind eher noch den Gomerianern vorbehalten. Es scheint so, dass die beiden Kulturen sich gegenseitig akzeptieren. Die wilden Camper werden dennoch nur zeitweise geduldet. Immer wenn es den Gomerianern zuviel wird, jagt die Polizei das Strandvolk fort.


Auch der Masseur und sein Freund nächtigen an der Playa del Inglés unter dem Sternenhimmel. Aber wir stellen fest: selbst bei den deutschen Aussteigern geht es nicht ganze ohne den gelegentlichen Gedanken an die kühle Heimat. Zumindest am Sonntag muss die romantische Lagerfeuerstimmung einem zutiefst deutschen Vergnügen weichen – dann wird gemeinsam in großer Runde in der Bar der Tatort zelebriert.

Praktische Hinweise zu Valle Gran Rey

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