Projekt des Monats - Katastrophenvorsorge für Kinder mit Behinderungen

Kind im Notfalltraining

Behinderte Kinder lernen, sich in Notsituationen richtig zu verhalten. © Lea Auffahrt/AWO International


Neunkirchen,

Weil Menschen mit Behinderungen Naturkatastrophen fast schutzlos ausgeliefert sind, unterstützt AWO International e. V. das Projekt „Inklusive Katastrophenvorsorge“ des Projektpartners ACOPEDIS. Dazu wurden in den gefährdeten Gemeinden und Schulen Evakuierungspläne erarbeitet, Frühwarnsysteme entwickelt und Notfallsimulationen geübt, die auf die besonderen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen eingehen.

Guatemala ist gezeichnet von großer Armut, Korruption und Gewalt. Gleichzeitig ist es stark von Naturkatastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbrüche, Überschwemmungen und Dürren betroffen. Für Menschen mit Behinderungen wirkt sich das besonders schlimm aus, sie sind Naturgewalten fast schutzlos ausgeliefert und deshalb auf Hilfe von anderen angewiesen. In der Realität werden sie aber meist von ihren Familien versteckt, stigmatisiert und sind so von medizinischer Hilfe und von Bildungsangeboten ausgeschlossen.

Bessere soziale Integration

Prävention und Nachsorge bei Katastrophen sind durch Armut, geringe staatliche Hilfe, fehlende Bildung und mangelnde Infrastruktur stark eingeschränkt. Deshalb unterstützt AWO International e. V. das Projekt „Inklusive Katastrophenvorsorge“ des Projektpartners ACOPEDIS (Asociación Coordinadora de Organizaciones de Personas con Discapacidad de Sololá). Die Netzwerkorganisation ACOPEDIS ist  ein Zusammenschluss von Nichtregierungsorganisationen, die die gemeindeorientierte Behindertenarbeit im Departamento Sololá koordiniert. Ziel ist eine bessere Betreuung und soziale Integration von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen. Darüber hinaus tritt das Netzwerk für mehr Rechte und Inklusion im Bildungsbereich ein.

Behinderung in Gefahrensituationen
Für Menschen mit geistiger Behinderung ist es oft nicht einfach, Gefahrensituationen zu erkennen und zu wissen, wie sie sich in solchen Situationen richtig verhalten. So verstehen Sehbehinderte zwar, was um sie herum passiert, haben aber Probleme, sich zu orientieren und so einen sicheren Ort zu finden. Menschen mit einer körperlichen Behinderung wissen zwar, wie sie sich verhalten können, jedoch fehlt ihnen die nötige Mobilität, um sich in Sicherheit zu bringen. Gehörlose wiederum wissen, was zu tun ist und können sich bewegen, können aber Warnsignale oder Anweisungen nicht verstehen.

Fortbildungsteams und Notfallpläne
Kinder und Jugendliche mit Behinderungen sollen besser auf die Gefahren durch Naturereignisse vorbereitet werden. Die Fortbildungsteams des Projekts bestehen aus Psychologen, Sozialarbeitern und Physiotherapeuten. In den Kursen üben die Kinder gemeinsam mit ihren Eltern, wie sie sich in Notsituationen richtig verhalten können. Sie erarbeiten Notfallpläne, besprechen mögliche Risiken und simulieren Gefahrensituationen.
Auch das Umfeld der behinderten Kinder wird angesprochen, zum Beispiel Lehrer und lokale Behörden. So setzen sich mittlerweile auch viele Menschen vor Ort für mehr Inklusion von Behinderten ein. Einer davon ist der Sportlehrer Juan Emilio, der Eltern und Kinder immer wieder motiviert, zur Schule zu gehen. Er ist jedes Mal wieder begeistert, wenn sich seine behinderten Schüler über ihre neuen Erfolge freuen.

Bereits 5.000 Jugendliche erreicht
Das Projekt läuft seit 2014. Langfristig soll die inklusive Katastrophenvorsorge integraler Bestandteil der Netzwerkarbeit werden und in Schulen und lokalen Behörden fest verankert sein. Über 5.000 Kinder und Jugendliche mit Behinderungen sowie ihre Familien, Angehörige, Lehrer und Gemeindemitarbeiter wurden bisher erreicht.

Mehr Informationen gibt es auf der Projektseite von AWO International

© Lea Auffahrt/AWO International

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