Verspätete Verlustmeldung bei verloren gegangenen Koffer - reiseversicherung.com

Verspätete Verlustmeldung bei verloren gegangenen Koffer

Amtsgericht München, Urteil vom 08.11.2007 (Az.: 223 C 17445/07)

Zusammenfassung

Für ein verloren gegangenes Gepäckstück gibt es keinen Schadensersatz aus der Reisegepäckversicherung, wenn die Verlustmeldung verspätet mitgeteilt wird. Nur bei "unverzüglicher" Meldung des Schadens erfolgt ein Ersatz.

1. Ausgangslage

Eine Familie plante eine Flugreise in die Türkei, die von Ende Dezember bis Anfang Januar angetreten wurde. Nach der Rückkehr am 11. Januar, mit Ankunft am Flughafen Frankfurt, stellte die Frau den Verlust eines Gepäckstücks fest, welches auch nach erfolgter Suche nicht aufgefunden wurde. Nach vergeblicher Wartezeit am Gepäckausgabeband war klar, dass das Gepäckstück verloren gegangen war. Sie wandte sich unmittelbar an das Flughafenpersonal, welches sie an die Gepäckausgabe schickte. Dort wurde ihr empfohlen, sich am nächsten Tag noch einmal telefonisch zu melden, da der Koffer auch hier nicht auffindbar war. Vor Antritt der Reise wurde eine Reisegepäckversicherung für sie, ihren Ehemann und für ihr zehnjähriges Kind mit einer Versicherungssumme von 3.000 € abgeschlossen, die sie aufgrund des Verlustes in Anspruch nahm. Der Anspruch wurde von der Versicherung jedoch verneint.

2. Die Klage

Die Klägerin forderte gegenüber der Versicherung den Ersatz des Schadens, den sie auf eine Summe von 1.285 € festsetzte.

3. Das Urteil

Das Amtsgericht München gab der Klägerin Unrecht.

4. Die Begründung

Das Amtsgericht München ermittelte, dass die Klägerin keinen Anspruch auf Schadensersatz gegen die Versicherung hat. Grund dafür sei eine grobfahrlässige Obliegenheitsverletzung nach § 5 Nr. 1 und 3 AVB RG 06. Der Verlust des Gepäckstücks wurde nicht „unverzüglich“, wie es im Vertrag steht, bei der Fluggesellschaft gemeldet. Es erfolgte eine verspätete Meldung am 12. Januar per Telefon. Es gibt keinen offiziellen Nachweis darüber, dass die Klägerin eine sofortige Anzeige in die Wege geleitet hatte. Unter „Unverzüglichkeit“ ist eine sofortige Meldung, noch am selben Tag, ohne schuldhaftes Zögern zu verstehen. Dies ermöglicht, eine schnelle Aufklärung und ein schnelles Wiederfinden. Zusätzlich soll hierdurch eine Hemmschwelle geschaffen werden, Schadensfälle vorzutäuschen. Wenn man einen Verlust auf Anhieb am Schalter melden müsse, sei die Hemmschwelle höher, nachdem man das Gepäckstück kurz zuvor versteckt habe und dabei eventuell beobachtet worden sei, als sich am nächsten Tag per Telefon zu melden. Man handelt als Versicherungsnehmer grob fahrlässig gegen die Versicherungsbedingungen, wenn man den Verlust dem Beförderungsunternehmen nicht meldet, sondern erst am darauffolgenden Tag anruft. Im vorliegenden Fall hat die Klägerin den Verlust nicht umgehend an der dafür zuständigen Stelle des Flughafens gemeldet und sich den Verlust entsprechend schriftlich bestätigen lassen.

Alle Entscheidungen dienen der Information und stellen keine Rechtsberatung dar. Die Darstellung der Gerichtsurteile erfolgt ohne Gewährleistung, Ansprüche können daraus nicht abgeleitet werden.

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